theater&mehr beteiligte sich an der Ausstellung im Kunsthaus Langenberg ALLDIEKUNST.
Bildquelle: © Jörg Pauli | theater&mehr.

kein thema – [ˡka͜ɪn ˡt͜eːmˡɑː]

„Alles gemeldet, von nichts gewusst.“ (Dr. M. Hinrich)

Nun präsentieren sich die Künstlerinnen und Künstler des BKB e.V. im Langenberger Kunsthaus AlldieKunst unter dem Motto „KEIN THEMA!“ bis zum 03.11.2019.

Der BKB e.V. bespielt als Großgruppe oder „Teilmenge“ – je nach räumlicher Gegebenheit – klassische Ausstellungsorte und zugleich ganz und gar untypische. Der Mentalität der einzelnen Künstler und Künstlerinnen entsprechend, gibt es von der straff strukturierten Galerieausstellung bis zu in weiten Teilen improvisierten Präsentationen outdoor oder an ungewöhnlichen Orten nichts, was nicht zumindest erst einmal „ins Auge gefasst“ wird.

ALLDIEKUNST versteht sich als erweiterter „öffentlicher Raum“, als künstlerisch kreative Bühne und bietet dem Experimentellen, dem „Schrägen“ und der Interaktion ein breites Spektrum.

Da kommen zwei zusammen, die beide Kunst an ungewöhnlichen Orten und ungewöhnliche Kunst im Blicke haben. Und nun im 52. Jahr eine Ausstellung unter dem Thema: Kein Thema!

Kein Thema? Doch das ist ein Thema! Das Thema ist ja als Imparativ gemeint. Meinen doch die beiden kleinen Worte KEIN und THEMA übersetzt nicht zur Diskussion / zur Debatte stehend; kein Gegenstand der Befassung sein; nicht verwirklicht werden, nicht geplant sein, kein Problem sein, selbstverständlich sein.

Und das eben soll und muss thematisiert werden. Da bleibt in unserer Gesellschaft zuviel Unausgesprochenes. Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen. Und wer, wenn nicht die Kunst, soll das zum Thema machen? Hermann Hesse äußerte sich dazu wie folgt:

„In unserer modernen, bürgerlichen Welt, welche freilich zur Zeit in den Fundamenten zittert, stellt der Künstler eine Art Ersatzfigur dar, und es werden ihm vom Bürger Funktionen zugeschrieben und übertragen, welche eigentlich Sache eines jeden Menschen wären, infolge vielfachen Verfalls aber von der Mehrzahl der bürgerlichen Menschen vernachlässigt werden. Der Künstler stellt innerhalb unserer Gesellschaft eigentlich den einzigen Menschentypen dar, welcher unbekümmert und unter weitgehender Duldung durch die Gesellschaft sich selber lebt, seiner eigenen Natur treu ist und so ein Gebot erfüllt, das jedem Menschen ins Herz geschrieben ist, dessen Ruf aber für die meisten im trüben Kampf um das Tägliche erstickt.“

die arbeiten

theater&mehr begleitete die Ausstellung in Velbert. Einmal mit bildender Kunst, zum anderen mit einer Lesung zum Thema „Kein Thema? – [ˡka͜ɪn ˡt͜eːmˡɑː]!“

caché

Cache bezeichnet in der EDV einen schnellen Pufferspeicher, der (wiederholte) Zugriffe auf ein langsames Hintergrundmedium oder aufwendige Neuberechnungen zu vermeiden hilft. Daten, die bereits einmal geladen oder generiert wurden, verbleiben im Cache, so dass sie bei späterem Bedarf schneller aus diesem abgerufen werden können. Auch können Daten, die vermutlich bald benötigt werden, vorab vom Hintergrundmedium abgerufen und vorerst im Cache bereitgestellt werden.

Cache ist ein Lehnwort aus dem Englischen. Seinen Ursprung hat es im französischen caché, das eigentlich die Bedeutung Versteck hat. Der Name verdeutlicht den Umstand, dass dem Verwender in der Regel der Cache und seine Ersatzfunktion für das angesprochene Hintergrundmedium verborgen bleibt. Wer das Hintergrundmedium verwendet, muss Größe oder Funktionsweise des Caches prinzipiell nicht kennen, denn der Cache wird nicht direkt angesprochen.

Und was läuft da so hinsichtlich „Kein Thema!“ im Hintergrund? Was bleibt hinter dem vielleicht etwas lauteren Vordergrund verborgen? All die Dinge, die unausgesprochen oder versteckt bleiben sollen. Diesem Zwiespalt widmen sich die vier Werke. Bezogen auf die o.g. Aussage, dass der Hintergrund ja nicht bekannt sein muss, heißt das: „Vorne bunt – hinten grau“.

Caché 1: Raps und Ruß. Bildquelle: © Jörg Pauli | theater&mehr.
Caché 2: Ferien und Flucht. Bildquelle: © Jörg Pauli | theater&mehr.
Caché 3: Ernte und Elend. Bildquelle: © Jörg Pauli | theater&mehr.
Caché 4: Urlaub und Unrat. Bildquelle: © Jörg Pauli | theater&mehr.

lesung kein thema? – [ˡka͜ɪn ˡt͜eːmˡɑː]!

In der Lesung geht es weiter. Über den o.g. zitierten Hermann Hesse geht es um Ai wei wei und sein Statement: „Everything is art. Everything is poltics.“, um Joseph Beuys und die soziale Plastik, der Mensch als Künstler und die einhergehende Verantwortung für das Versteckte, das ans Licht muss.

Diese Thematisierung in der Kunst ist zutiefst aufrüttelnd, weil sie nichts Historisches, Vergangenes, zeitgebunden Programmatisches hat, sondern auf den Dreh- und Angelpunkt verweist, von dem allein Heilung für das Leiden der Welt ausgehen kann: den Menschen selbst. In der Kunst erst geht uns eine Welt auf. Wer Kunst sagt, spricht vom Menschen. Worauf es ankommt, ist eine scheue Gelassenheit für das, was sich in der Thematik zwischen Mensch und Kunst(werk) ereignet.

Erst, wenn wir unser Denken zu einem schöpferischen Erkennen des Lebendigen weiterentwickeln, können wir die Krise lösen und das Unausgesprochene aus den Verstecken holen.

listen-header
A U S S T E L L U N G S P R O G R A M M

Vernissage 29.09.2019, 11.00h Kunsthaus Langenberg ALLDIEKUNST
Begrüßung: Ralf Leisner – Kunsthaus Langenberg
Einführung: Ute Küppersbusch – Vorsitzende des BKB e.V.
Musikalische Begleitung: Accenti

So., 06.10.2019
Führung durch die Ausstellung mit Mariele Koschmieder (BKB e.V.)

So., 13.10.2019
Führung durch die Ausstellung mit Sabine Clemens und Hildegard Skirde (BKB e.V.)

So., 20.10.2019
Lesung „Kein Thema?-[ˡka͜ɪn ˡt͜eːmˡɑː]!“ mit Jörg Pauli (BKB e.V.)

So., 27.10.2019
Führung durch die Ausstellung mit Ingrid Bülow (BKB e.V.)

So., 03.11.2019
Finissage
Musikalische Begleitung: Accenti