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enthüllungen über die zeit
(Friedrich Wilhelm Nietzsche) "Wir stehen nicht nur kalendarisch am Anfang eines neuen Jahrhunderts und Jahrtausends, sondern in vielfältiger Form tritt Neues in unser Leben. Die sogenannte Globalisierung der Wirtschaft, die sich rasant ausbreitenden neuen Medien, neue Zweige der Wissenschaft und Technik vermitteln dabei vielen Mitmenschen ein Lebensgefühl, dass je nach persönlicher Einstellung zwischen Befürchtung und Hoffnung schwankt. Auch wenn es in den letzten Monaten manche Rückblicke (z. B. Das XX. Jahrhunderts, Berlin; Augenblicke des Jahrhunderts, Wuppertal) und Vorgriffe auf die Zukunft (Expo, Hannover) gegeben hat und gibt, so kann es doch reizvoll sein zu beobachten, inwieweit und ob sich solche Umbrüche auch in der Kunst der hiesigen Region niederschlagen. Wie gehen Künstlerinnen und Künstler aus dem Bergischen Städtedreieck und den angrenzenden Orten mit dieser Herausforderung um? Überwiegen bei einer solchen Bestandsaufnahme traditionelle Seh- und Darstellungsweisen, dominiert die Auseinandersetzung mit Multimedia und Zeitgeist oder gehen die Kunstschaffenden unbeirrt ihre einmal eingeschlagenen Wege?" so die Fragen der Ausschreibenden. Die Bewerbung Wir spannen seit Jahren den Bogen zwischen den künstlerischen Darstellungsformen, nicht zuletzt deshalb, weil wir - und dort ist unsere Anknüpfung an das Thema "Weltausstellung" - die Zukunft der Künste als Ausdruck menschlichen kreativen Schaffens als ein Zusammengehen im Prozeß selbst und im Ergebnis sehen. In Zeiten der auch künstlerischen Vereinzelung bündeln wir unsere Kräfte und führen unsere unterschiedlichen Wahrnehmungs- und Darstellungsfähigkeiten zu einer gemeinsamen Arbeit zusammen. Zukunft oder "die Welt von morgen" benötigt unserer Ansicht nach Modelle, die in ihrer Aussage und Entstehung Alternativen zur (sich verselbständigenden) gesellschaftlichen Entwicklung darstellen. Das Konzept Jeder Begriff wird durch eine Aktion inhaltlich beschrieben. Zur Visualisierung der einzelnen Aktionen werden sukzessive gegen den Uhrzeigersinn Stelen (Fahnen auf
fünfeckigem Gestell) enthüllt, so dass sich erst mit der letzten Enthüllung die Vollständigkeit unserer Betrachtung von Zeit ergibt. Dazu haben wir fünf jeweils eigenständige Metaphern gewählt:
Der Jahrtausendwechsel als Bündelung der Aufmerksamkeit der Menschen auf einen mathematisch-astronomischen Zeitpunkt gerät zusehends zu einer wahnwitzigen Hochstilisierung selbst profanster Alltäglichkeiten: die "Millennium-Schokolade" oder das "Jahrtausend-Spülmittel" gehören mittlerweile zu den gängigen Verlautbarungen der Werbeindustrie, die “Millennium-Fähigkeit” des Heim-PC bewegte alle Gemüter. Zum Attribut degradiert erfährt hier der Zeitbegriff eine Vergegenständlichung, wird mystisch belegt, ist Synonym für sämtliche denkbaren Katastrophenszenarien. Die Ware Zeit unterliegt, wie alle Güter, plötzlich der Vermarktung und Instrumentalisierung. Zeit, als Begriff schon ein unzureichendes Konstrukt für eine inhaltlich nicht abgrenzbare Vielfalt von Elementen, wird – obwohl der Moment günstig und naheliegend wäre – nicht reflektiert. Hier greift der Ansatz unseres Projektes "Enthüllungen über die Zeit". Wir ermöglichen dem Betrachter/Rezipienten kunstformübergreifend die Auseinandersetzung mit von uns ausgewählten Aspekten der Zeit. Mit der letzten Performance sind alle Stelen enthüllt, das Gesamtbild ist komplett, wird jedoch durch die Zerstörung (den Verkauf) der Untertassen der letzten Fahne zugleich wieder in Frage gestellt aus dem Gedanken heraus, Zeit kennt keinen Anfang und kein Ende, ist nie statisch und immer unberechenbar. So ist Memento Mori (Gedenke zu Sterben) der verloreneMoment des Neubeginns. Soweit unser Konzept.
Der Wandel und die Entwicklung Die Umsetzung verteilte sich auf den Bergischen Künstlerbund BKB e.V.: Ute Küppersbusch (Vorsitz BKB e.V., Idee und Konzept), Melanie Schwarz (Malerin; Realisation der Stelen), Berthold Welter (Bildhauer; Realisation der Stelen), Detlef Mischo (Maler und Grafiker; Realisation der Stelen), auf ACCENTI: Britta Hartung (Musikerin; Bajan und Komposition der Zeitfuge) und Werner Psoch (Musiker; Sopransaxophon). theater&mehr übernahm die Projektkoordination, die Inszenierung und Darstellung des Schauspiels sowie die Idee und Konzeptgestaltung. Mit den beteiligten Künstlern wird das Objekt weiterentwickelt. Momentan stellt sich das Objekt in verhülltem und enthülltem Zustand wie folgt dar:
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