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bitterstücke 1996 - 2000
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Nachfolgend ein paar Informationen zu den Stationen des Ensembles und seinen Stücken.
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„Theater ist nur dann gut, wenn es uns nervös macht.“ (George Tabori)
Theater soll als öffentlicher Ort erfahrbar werden, der Raum und
Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Interessen bietet, Probleme, Freuden und Sehnsüchte aufgreift und thematisiert.
"In der Kultur findet das Schöne statt, für das in der harten Realität kein Platz ist." so die landläufige Meinung. Ensemble Bitter hält dagegen:
Nicht platte Unterhaltung und Ablenkung ist gefragt, sondern Theater als Ort der öffentlichen Auseinandersetzung mit der vorhandenen Lebenswelt, mit eigenen und fremden Interessen.
Ohne erhobenen Zeigefinger, ohne dogmatische Richtungsangabe fördert und fordert das Ensemble, sich die Welt erfahrbar zu machen und zu gestalten.
Das Geschehene auf der Bühne bleibt nie harmlos, denn lebendiges Theater provoziert. Spielweise und Stil weisen stets über das Normale und Alltägliche hinaus, erregen die Gemüter und wühlen Emotionen
auf. Das macht Theater so anziehend.
"Draußen vor der Tür" Nachkriegsdrama von W. Borchert
Der 25 Jahre alte Unteroffizier Beckmann kommt 1947 aus russischer Gefangenschaft nach Hause. Er trägt eine Gasmaskenbrille, hat Hunger und ein steifes Bein. Seine Frau
hat sich einen Freund genommen, sein Sohn liegt tot unter dem Trümmerschutt. Beckmann ist müde, lebensmüde. In einem Selbstmordtraum wirft ihn die Elbe zurück
an den Strand. Ein Mädchen nimmt ihn mit, doch ihr seit drei Jahren vermißter Mann kommt nach Hause. Ein Durchhaltebefehl Beckmanns in Russland ist schuld daran, daß
der Mann nur noch ein Bein besitzt. Der Oberst, dem Beckmann “die Verantwortung zurückgeben will”, lacht ihn aus. Ein Kabarettdirektor ist zu feige, Beckmanns Ernst und Pazifismus dem Publikum
anzubieten. Beckmanns Eltern, der Vater war ein denunzierender Antisemit, haben sich mit Gas vergiftet.
1. Ein Mann kommt nach Deutschland 2. Vorspiel 3. Der Traum, Teil 1 4. Am Wasser 5. Im Zimmer des Mädchens 6. Die Verantwortung
7. Beim Oberst 8. Zum Zirkus 9. Im Kabarett 10. Nach Hause 11. Ein Haus, eine Tür 12. Der Traum, Teil 2
Beckmann fällt abermals in einen Selbstmordtraum: er klagt Gott an und die Stimme des “Anderen”, des anderen Beckmann, der zum Leben verführen will, verstummt...
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Langeweile
Der Präsident zog sich zurück aus seiner Mätresse, stieg vom Billiardtisch und wankte todmüde aus der Bibliothek.
Ich langweile mich, Minister. Fangen Sie einen Krieg an, mir scheißegal mit wem. Ich mache einen Schlachtplan, die Kirche - das multinationale Unternehmen Gott & Sohn -
gibt seinen Segen und das Kanonenfutter kriegen wir vom Volk. Und so geschah es... (Herman van Veen)
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Das Ende “... und die Menschen gehen am Tod vorbei, achtlos, resigniert, blasiert, angeekelt und gleichgültig.
Warum redet ihr denn nicht? Gebt doch Antwort! ...” (Beckmann) “... Wir hinken alle irgendwo...” (Die Elbe)
"7, 8, 9 AUS!" Ein bissiger Kommentar
Mit dem Programm “...7, 8, 9 aus!” zeigte Ensemble Bitter einen bissigen Kommentar auf die aktuelle Arbeitswelt. Spucken, Beissen, Treten: alles ist erlaubt. Wir geben
alles für die Firma, alles für das Wachstum. Damit wir es einmal besser haben, als unsere Kinder...
Et jibt Karrieren - die jehn durch den Hintern. Die Leute kriechen bei die Vorjesetzten rin. Da is et warm. Da kenn se ibawintern. Da bleihm se denn ne Weile drin.
I, denken die - kein Neid! Wer hat, der hat. Denn komm se raus. Denn sind se plötzlich wat. Denn sind se plötzlich feine Herrn jeworden! Denn kenn die de Kollejen jahnich mehr.
Vor Eifa wolln se jeden jleich amorden: “Ich bün Ihr Vorjesetzta! Bütte sehr!" Und jeda wees doch, wie set ham jemacht! Det wird so schnell vajessen ... keena lacht. Int Jejenteil.
Der sitzt noch nich drei Stunden in seine neue Stellung drin - : da hat sich schon'n junger Mann jefunden, der kriechtn wieda hinten rin! Und wenn die janze Hose kracht:
weil mancha so Karriere macht. Er hat det Ding jeschohm. Nun sitzt a ehmt ohm. Von oben frisch und munter kuckt keena jerne runter. Weil man so rasch vajisst, wie man ruff, wie man ruff,
wie man ruffjekommen ist - ! (Kurt Tucholsky)
"Seitenhiebe" Ein politischer Rückblick nach der Wende
Ensemble Bitter mit einem weiteren Programm des Kabaretts:
Wenn eine Partei eine Wahl verliert, verliert sie an erster Stelle ihr Gedächtnis. (Übrigens: wenn sie gewinnt, auch) Und eine Partei mit löchrigem Gedächtnis wird sich
somit ihrer Versprechen nicht mehr erinnern. Eine Wahl, die so aus dem Gedächtnis getilgt, hat somit nicht stattgefunden. Sollte aber nun dennoch, durch Geschichtsschreibung
oder ein unbestimmtes Gefühl an Schuld, die Erinnerung an das Ereignis Wahl wieder aufkeimen, müßte sich die Partei für den Sieger halten.
Wobei sich für den Sieger die Frage nach der Schuld nicht stellt. Somit gehen Unschuld und Vergessen Hand in Hand. Und diese Partei wird arbeiten und genießen und lobpreisen seine Unschuld.
Bis zur nächsten Wahl.
"Das Orchester" Eine Groteske nach Jean Anouilh
Wir sind schon wieder komisch oder über die untröstliche Fröhlichkeit Jean Anouilh schätzte das Spiel so hoch, weil es imstande ist, den Schmerz zu
überspielen. Untröstlich und fröhlich – so ist Anouilh in seinen Stücken. Er mag die Welt nicht, sie ist ihm zu schmutzig. Seine eigene dramatische Welt bevölkerte er mit einem
Schwarm reiner junger Mädchen, als wolle er die Schöpfung korrigieren; doch in seinen Stücken (die er die “schwarzen” nannte) gehen sie alle unter, denn diese Trotzköpfe
ihrer Ideale wollen das Unbedingte, das Absolute, und dies wird in der bedingten Welt der Kompromisse nicht geboten, außer im Tod.
So kommt auch dieses Orchester daher: Alltagstratsch
und Streitereien zwischen unsäglichen Musiknummern der hingequälten professionellen Erheiterung. Die Darstellung einer empfindsamen, abgestandenen Seele wird
hergerichtet als giftige Posse, die Trostlosigkeit mit entlarvendem, boshaftem Witz skizziert. Ensemble Bitter zeigte das Orchester in einer neuen
Inszenierung, in neuen Rollen. und diesmal unter der Regie von Jörg Weirauch als Projektarbeit im Rahmen seiner Ausbildung zum Theaterpädagogen. Theaterpädagogik
fördert die kulturelle und die Persönlichkeitsbildung. Wir fördern dies als theaterpädagogische Arbeit im Sinne einer kulturellen Bildungsarbeit. So soll die kulturelle und
personale Identität der Teilnehmer und Zielgruppen weiterentwickelt und die Kunstform Theater als lebendiger Prozeß transparent werden. Mit diesem Orchester zeigen wir einen weiteren Schritt in diese
Richtung.
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Das Ende Wenn das beste aller Klaviere nicht gestimmt ist, wird es scheußlich klingen, selbst wenn Horowitz Chopin spielt. Der Schauspieler ist sein eigenes Klavier. (George Tabori)
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