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bitterstücke 1991 - 1996


interesse? mailen sie ensemble bitter...
theater&mehr schlägt Brücken und verbindet

Nachfolgend ein paar Informationen zu den Stationen des Ensembles und seinen Stücken.

„Theater ist nur dann gut, wenn es uns nervös macht.“ (George Tabori)

Theater soll als öffentlicher Ort erfahrbar werden, der Raum und Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Interessen bietet, Probleme, Freuden und Sehnsüchte aufgreift und thematisiert.

"In der Kultur findet das Schöne statt, für das in der harten Realität kein Platz ist." so die landläufige Meinung. Ensemble Bitter hält dagegen: Nicht platte Unterhaltung und Ablenkung ist gefragt, sondern Theater als Ort der öffentlichen Auseinandersetzung mit der vorhandenen Lebenswelt, mit eigenen und fremden Interessen.

Ohne erhobenen Zeigefinger, ohne dogmatische Richtungsangabe fördert und fordert das Ensemble, sich die Welt erfahrbar zu machen und zu gestalten.

Das Geschehene auf der Bühne bleibt nie harmlos, denn lebendiges Theater provoziert. Spielweise und Stil weisen stets über das Normale und Alltägliche hinaus, erregen die Gemüter und wühlen Emotionen auf. Das macht Theater so anziehend.

 

ensemble bitter - keine angst vor zuviel gefühl ..."Keine Angst vor zuviel Gefühl"
Ein literarischer Abend

“Keine Angst vor zuviel Gefühl” war ein literarischer Abend mit Texten von Tucholsky, Lettke u.v.a.m. und gleichzeitig der Beginn des künstlerischen Wirkens des Ensembles in der Öffentlichkeit. Das Programm gestaltete sich wie folgt:

 

01. Overture/Das Geröhre (Ensemble Bitter)
02. Hommage an das Publikum (Leander/Ensemble Bitter)
03. Oh hochverehrtes Publikum (Tucholsky)
04. Guten Abend II (Pauli)
05. Karrieren (Tucholsky)
06. Das unschätzbare Geschenk (Mozart/Ensemble Bitter)
07. Eine leere Zelle (Tucholsky)
08. Kontakt - Wo bist du? (Ensemble Bitter)
09. Die Leibesfrucht spricht (Tucholsky)
10. Die geteerte Straße (?)
11. Das Deutsche Alphabet (Lettke)
12. Davon geht die Welt nicht unter (Leander/Ensemble Bitter)
13. Lotto (Ensemble Bitter)
14. Die Frau spricht (Tucholsky)
15. Wie man's macht (Tucholsky)
16. Guten Abend III (Pauli)
17. Fragen (Gilberg)
18. Guten Abend IV (Ensemble Bitter)
19. Finale (Ensemble Bitter)
20. Uns tut nichts leid (Ensemble Bitter)

Vergangenheit
Vergangenheit ist eine Person
die immer wieder kommt
Sie kündigt sich selten an
Aber es gibt ein Gegenmittel
Sie nicht in den Bücherschrank zu verstecken
zwischen Romanen und Enzyklopädien
sondern Sie mit Respekt zu behandeln
Sie zu betrachten wie dich selbst
Sie wird davon so beeindruckt sein
daß sie vergißt sich zu wiederholen
(nach Herman van Veen)

Fragen
Bist du still genug, die Musik des Augenblickes zu hören?
Bist du verspielt genug, dem Kurs des Schmetterlings zu Folgen?
Bist du absichtslos genug, dich von mir überraschen zu lassen?
Bist du sehnsüchtig genug, auf die Reise nach innen zu gehen?
Bist du mutig genug, auf die Berge deiner Möglichkeiten zu steigen?
Bist du spontan genug, einen Fremden zu umarmen, der kein Fremder ist?
Bist du einfach genug, einfach nur da zu sein?
Bist du geduldig genug, noch mehr Fragen anzunehmen?
Bist du frei genug, dich zu drehen wie im Wind?
Bist du musikalisch genug, dein eigenes Lied zu singen?
Bist du lieb genug, um Kinderherzen nicht zu erschrecken?
Bist du lebendig genug, um keine Angst vor dem Tod zu haben?
Habe ich genug Fragen gestellt, um deine ungestellten Fragen zu beantworten?
(Helge Gilberg)

Das Ende
Schönes Leben, du liegst krank, und uns ist das Herz müd' vom Weinen.
ensemble bitter: keine angst ...

 

ensemble bitter - clavigo ..."Clavigo"
Ein Trauerspiel nach J. W. Goethe

Clavigo oder Dichtung und Wahrheit
Clavigo ist kein Held. Clavigo ist ein Spieler. Er ist auch kein Genie. Carlos ist Clavigos Held und Genie. Sein Kopf, der ihm sagt, was er zu denken hat. Clavigo versprach Marie die Heirat und auf Carlos’ Rat hin, bricht Clavigo dieses Versprechen. Marie verfällt daraufhin dem Wahn. Clavigo ist leer und Zweifel plagen ihn. Er steht vor der Entscheidung zwischen seiner Hinwendung zu Marie oder einer Karriere am Hof. Doch  Carlos sinniert eine Intrige, auf die sich Clavigo einlässt.

Anders als bei Goethe, geht hier diese Intrige viel weiter als Clavigo sich vorzustellen vermag. Carlos, der ohne Clavigo ebenso leer wäre, spielt ein teuflisches Spiel. Und dieses Spiel entgleitet Carlos. Zu spät erkennt er, was er angerichtet hat. So nimmt das Unheil seinen Lauf...

Im Originaltext von Goethe sind Carlos und Beaumarchais zwei getrennt voneinander handelnde Personen: Carlos, der sagt, was Clavigo zu denken hat, und dass die Karriere wichtiger sei als eine Heirat mit einer Bürgerlichen; Beaumarchais, der seiner Schwester die Ehre wiedergeben muss, und Clavigo sagt, was er zu fühlen hat. Um die Intrige von Carlos zu verstärken, spielt bei uns Carlos beide Rollen. Er gaukelt sowohl Clavigo als auch Marien den Bruder vor. Auch Marie, im Original durch ihre Schwester Sophie gestützt, spielt bei uns die, durch Clavigos hin und her, in die Schizophrenie getriebene Marie-(/)-Sophie. Deshalb ein Trauerspiel nach und nicht von Goethe.

Das Ende
Ich wäre nichts, wenn ich bliebe, was ich bin. (Clavigo im 1. Akt)
ensemble bitter: clavigo und carlos ... ensemble bitter: beaumarchais (carlos) und sophie-marie ...

 

ensemble bitter - channel b  die zapping-show..."Channel B: Die Zapping-Show"
Eine TV-Revue/Teil 1

Aktuelles: Birte Schmidt-Rübner und Birger Rübner-Schmidt mit aktuellem aus aller Welt. Ächt aktuell. Der Aufschwung: Ein Schwank unserer Zeit mit Haltungen, die nicht versprochen und Versprechungen, die nicht gehalten werden. Heiteres Begrifferaten: Ratespiele in unermüdlichem Aufguss. Typisch. Bei ARD und ZDF reihern Sie in die ersten Sitze. Der Kammer-Hammer: Komödienstadl? Weit gefehlt! Derbe Unterhaltung bei RTL. *#+%&-filme für Anfänger oder Rumtreiber... und so weiter. Der ganz normale Wahnsinn, der einem beim Zappen vor die Augen kommt.
ensemble bitter: channel b - die zapping-show ...

 

ensemble bitter - channel b das tv-magazin..."Channel B: Das TV-Magazin"
Eine TV-Revue/Teil 2

Die (S)Hitparade: Doku-Drama mit Dietlinde T. Heck. Sie stellte uns erbarmungslos die Welt des deutschen Schlagers vor. Von den fetten Wildecker Schmerz-Buam bis zum weinerlichen Herzkranzgefäß-Singer Chris (Kam) Anners. Das schweigend' Dilemma: Horror, Blutrausch und Gemetzel ohne Ende. Glücksrad: Dumpfe Gäste in dumpfen Spielen mit dumpfen Preisen vor einem dumpfen Publikum. Ziemlich dumpfe Sache. Der Film-Film Film: Film stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest. Vielleicht läuft ja wieder so was spannendes wie: "Die Flusensammler von St. Kathrein". Weg Da!: Tore, Punkte, Meisterschaften in Sportarten, die wir zu anderen Sendezeiten als 3:15h auch gar nicht sehen wollen! Der Wahnsinn geht weiter. Das Publikum war heute wieder wundervoll, und traurig klingt der Schlußakkord in
 Moll,
   Moll,
     Moll.
Wir sagen "Dankeschön!" und "Auf Wiederseh'n! Schau'n Sie mal wieder rein! Ein bißchen Spaß muß sein ... und tschüß!"
ensemble bitter: channel b - das tv-magazin ...

 

ensemble bitter - kanal banal 1 ..."Kanal Banal 1"
Eine Posse der deutschen Unterhaltung

Video-Clips:Schwarze und Weiße vor einer Mülltonne, die sich unsportlich verrenken. Rap, Zap, Hip-hop-House-Rave-Metal und der ganze gebrabbelte Kram von Bands, deren Namen ebenfalls unaussprechlich sind! Das Wort zum Sonntag: Pröbstin Elvira Clothilde von Hahnenschrei-Rittling spricht heute über die SXXXXXX und das gXXX XXXXX, das FXXXXXXXXXX-XXXXXXXX und über VerXXXXXXXXX. Aerobic zur Nacht: Pröbstin Elvira Clothilde von Hahnenschrei-Rittling zeigt Ihnen das, was im Wort zum Sonntag der Zensur zum Opfer fiel...
ensemble bitter: kanal banal 1 ...

 

ensemble bitter - kanal banal 2 ..."Kanal Banal 2"
Eine Farce der Freizeitgestaltung

WETTEN WAS?!: Tommy, der alte Blondschopf, hat wieder viele prominente Gäste und skurrile Wetten parat. Heute Abend: Dolly Basta, Eros Rambozotti und “Wetten, dass Theo Waigel bis 97 den Schuldenberg abbauen kann?” Wenn nicht, so verspricht er: “Bleibe ich im Amt!” Spannend, gell?. GEH’ AUF’S GANZE: Die Abzock- und Folter-Show mit Jörg Quäler. Lassen Sie sich auch heute bezaubern von leeren Umschlägen, bescheuerten Zonks in Tor 3 und gewinnen Sie einen Einkaufskorb im Wert von 1000 Lire.TRAUMPAARE: Gutaussehendes Model sucht Traumpartner für’s Leben. Suchen Sie mit. Schicksalhafte Begegnungen, rätselhafte Tiefschläge und Traumpaare, die eigentlich keiner haben will... HANS MEISER: Brüll dich heiser mit Meiser. Was als Talk-Show einst interessant begann, wird nun zum Tummelplatz der Arschgeigen. Jeder doofdröge Trottel darf uns nun mit seiner Meinung “Ich spende mein Hirn dem Bundestag” nerven. Wo bleibt der NOTRUF? GAYWATCH: Braune Burschen spülen am Strand auf selbstgemachten folkloristischen Instrumenten. Geschmeidige Körper wiegen sich im Mondlicht. Lachen, weiße Zähne und schöne Frau’n. (Los, Hassi!, Du mußt ihm voll in die Eier hau’n! Das ist die Art von Gewalt, die wir seh’n woll’n, wenn auch nicht spür’n woll’n.) Und dann hatte der Fernseh-Wahn endlich ein Ende...
ensemble bitter: wir trinken klebermeister, weil pappi auf und davon ist ...

 

ensemble bitter - das orchester ..."Das Orchester"
Eine Groteske von Jean Anouilh

Zum 5-jährigen Jubiläum gab es Anouilhs Groteske.
Jean Anouilh schätzte das Spiel so hoch, weil es imstande ist, den Schmerz zu überspielen. Untröstlich und fröhlich – so ist Anouilh in seinen Stücken. Er mag die Welt nicht, sie ist ihm zu schmutzig. Seine eigene dramatische Welt bevölkerte er mit einem Schwarm reiner junger Mädchen, als wolle er die Schöpfung korrigieren; doch in seinen Stücken (die er die “schwarzen” nannte) gehen sie alle unter, denn diese Trotzköpfe ihrer Ideale wollen das Unbedingte, das Absolute, und dies wird in der bedingten Welt der Kompromisse nicht geboten, außer im Tod.

Wir können uns gegenseitig unter mehr oder weniger edlen Vorwänden verletzen, verraten, massakrieren, uns mit scheinbarer Größe aufblasen: wir sind komisch. Nichts anderes, wir alle, einschließlich derer, die wir unsere Helden nennen. Mögen die langweiligen Philosophen der Verzweiflung , die in regelmäßigen Zeitabständen und ein wenig naiv immer wieder das Schreckliche der menschlichen Extistenz entdecken und uns daran hindern möchten, uns im Theater amüsieren, sich in das Unabänderliche fügen: wir sind komisch! Und das ist letzten Endes noch schrecklicher als die grauenvollen Schilderungen unseres Nichts. (Jean Anouilh)

ensemble bitter: das orchester ...

Das Ende
“...und Häkeldecken machen eine intime Atmosphäre!...”
 

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